Lesen - Abtauchen in eine andere Welt

In dieser doch etwas ungewöhnlichen Zeit darf uns das Lesen nicht abhandenkommen. Es kann uns in dieser unvorhersehbaren Zeit helfen, den Alltag für "ein paar Bücherseiten lang" zu vergessen.

Wir, vom Bibliotheksteam, möchten euch mit Lesetipps versorgen. Tauscht euch innerhalb der Familie Bücher aus. Buchhandlungen haben inzwischen wieder geöffnet und bieten auch einen Lieferservice an. Ebenso haben viele Öffentliche Bibliotheken einen Lieferservice eingerichtet - informiert euch bei euren Stadt- und Dorfbibliotheken. Auch digitale Ausleihe ist möglich: unter biblio24.it.onleihe.com könnt ihr E-Books, digitale Zeitschriften und Hörbücher ausleihen.

Es gibt viele Möglichkeiten an Bücher zu kommen!

 

Euer Bibliotheksteam

Verlockung

Eine Geschichte von hoher erzählerischer Kraft.

Der Welterfolg des ungarischen Autors und das Lieblingsbuch vieler begeisterter Leser und Buchhändler neu aufgelegt. Die Geschichte des Bauernjungen Béla, der als Liftboy in einem Budapester Grandhotel eine vom nahen Untergang gezeichnete Welt kennenlernt, ist ein ebenso düsteres wie schillerndes Tableau des Ungarn der Zwischenkriegszeit.

Ungarn zwischen den Weltkriegen: auf fast 1000 Seiten, entdeckt, lernt, liebt, leidet, lacht, weint und kämpft man zusammen mit dem Bauernjungen Béla. Und keine einzige Seite ist dabei langweilig oder banal.

Claudia Delladio, Oktober 2021

 

Die Anomalie

Turbulent und überraschend

Inhalt

März 2021: ein Auftragskiller, ein Architekt und seine Geliebte, ein Pop-Sänger eine Schauspielerin und ein Schriftsteller – sie alle befinden sich mit weiteren Passagieren in einem Flieger auf dem Weg von Paris nach New York. Dieser Flug verbindet alle auf ungeahnte Weise. Eine wahrhaft turbulente, überraschende, intelligente und unterhaltsame Lektüre.

Für alle die gerne Bücher lesen, die sich in keine Kategorie einordnen lassen.

Claudia Delladio, Oktober 2021

Mädchen, Frau etc.

Beeindruckend

Inhalt: In »Mädchen, Frau etc.« verwebt Bernardine Evaristo die Geschichten schwarzer Frauen über ein Jahrhundert zu einem einzigartigen und vielstimmigen Panorama unserer Zeit. Ein beeindruckender Roman über Herkunft und Identität, der daran erinnert, was uns zusammenhält.

Die Dramatikerin Amma steht kurz vor dem Durchbruch. In ihrer ersten Inszenierung am Londoner National Theatre setzt sie sich mit ihrer Identität als schwarze, lesbische Frau auseinander. Ihre gute Freundin Shirley hingegen ist nach jahrzehntelanger Arbeit an unterfinanzierten Londoner Schulen ausgebrannt. Carole hat Shirley, ihrer ehemaligen Lehrerin, viel zu verdanken, sie arbeitet inzwischen als erfolgreiche Investmentbankerin. Caroles Mutter Bummi will ebenfalls auf eigenen Füßen stehen und gründet eine Reinigungsfirma. Sie ist in Nigeria in armen Verhältnissen aufgewachsen und hat ihrer Tochter Carole aus guten Gründen einen englischen Vornamen gegeben.

Es werden zwölf Frauen of colour in Großbritanien beschrieben. Ihre Situation wird anschaulich dargelegt. Sehr zu empfehlen, wenn man mehr über das Leben von women of colour in England erfahren will.

Marion Thomaseth, Oktober 2021

Homeland Elegien

Konfliktreich und bewegend

Inhalt: Ayad Akhtars "Homeland Elegien" ist ein intelligenter Roman über den zerrütteten Zustand des heutigen Amerikas. Über ein Amerika, in dem die Ideale der amerikanischen Demokratie den Göttern der Finanzindustrie geopfert wurden und eine TV-Persönlichkeit Präsident werden konnte. Es ist ein persönliches Memoir über die Erfahrungen von im Westen lebenden Muslimen, insbesondere nach 9/11, und eine Reflexion über die Möglichkeit einer westlichen muslimischen Identität. Es ist die intellektuelle Biografie eines künstlerischen Ausnahmetalents und eine manchmal komische, manchmal bewegende, manchmal konfliktreiche Einwandererfamiliengeschichte.

Das Leben eine US-Amerikaners mit pakistanischem Migrationshintergrund wird in wunderbarer Sprache dargestellt. Seine Erfahrungen können auch im Lichte der aktuellen Situation in Zentralasien gelesen werden.

Marion Thomaseth, Oktober 2021

Drei Autorinnen. Drei Romane. Drei besondere Frauenfiguren.

Im Roman „Robinsons Tochter“ von Jane Gardam begleiten wir Polly Flint, die als Waise Anfang des 20. Jhd. zu ihren beiden ältlichen Tanten kommt, die abgeschieden im Marschland Yorkshires leben, von ihrer Kindheit bis ins Erwachsenenalter. Polly ist aufgrund ihrer Situation und Erfahrungen etwas weltfremd, aber sehr liebenswert und auf ihre Art eigenwillig. Trotz einiger tragischer Ereignisse ist der gesamte Roman von einem feinen, leisen Humor durchzogen. So wie Polly selbst auch Trost in der Literatur sucht und findet, hat auch diese Geschichte selbst etwas herzerwärmendes und tröstliches. 
Inhaltlich und sprachlich außerhalb der üblichen Lektüre. Ein Buch das es auf Anhieb in meine persönliche „Lieblingsliste“ geschafft hat. 

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/robinsons-tochter/978-3-446-26783-1/

 

Im Roman „Tiger“ der schottischen Autorin Polly Clark geht es um Frieda Bloom. Sie ist eine passionierte Primatenforscherin, aber nachdem sie ihre Arbeit aufgeben musste, verschlägt es sie in einen kleinen Zoo, wo besonders die Arbeit mit Tigern eine große Bedeutung hat. Sie lernt dadurch nicht nur diese Tiere, sondern auch sich selbst besser kennen. Sie reist für ein Projekt nach Sibirien und öffnet sich langsam wieder ihren Mitmenschen gegenüber. 
Der Roman ist durch die verschiedenen Handlungsstränge interessant - von England in die Wildnis Sibiriens - und auch die Sichtweise der verschiedenen Personen auf die Geschichte, macht  aus dem Roman eine spannende, abwechslungsreiche Lektüre.

https://eisele-verlag.de/books/tiger/

 

Beim preisgekrönten Roman „Die Bagage“ von Monika Helfer beeindruckt nicht nur die starke Frauenfigur, sondern auch die ganz besondere Sprache der Autorin. Große Emotionen werden sehr nüchtern, aber darum umso eindringlicher dargestellt. 

Maria lebt mit ihrem Mann Josef und ihren Kindern am Rand eines Bergbauerndorfes. Als ihr Mann zu Beginn des ersten Weltkriegs in den Krieg eingezogen wird, muss sie sich alleinedurchkämpfen. Und auch als Josef dann zurückkommt, wird ihre Situation nicht einfacher. Die Autorin erzählt in diesem Roman ihre eigene Familiengeschichte. Und so fühlt es sich auch an: wie das Blättern in einem Familienalbum. Ein sehr besonderer Roman. Absolut lesenswert! 

https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/die-bagage/978-3-446-26562-2/

Claudia Delladio (Bibliothekarin), März 2021