| Impressionen aus dem Schulleben

Kulturentisch „Spirit and Stories“ – Wie Gespräche Brücken bauen

Es begann ganz unscheinbar: ein Klassenzimmer, zwei runde Tische, ein paar vorbereitete Themenzettel – und die Klasse SV 3A, die ein Projekt ins Leben rief, das am Ende viel größer wurde, als jede*r erwartet hatte.

Unterstützt von Frau Rassler und Frau Schötzer verwandelten die Schülerinnen zwei Mal zwei Stunden in etwas, das sich anfühlte wie eine kleine Reise durch Kulturen, Geschichten und persönliche Welten.

Mehr als 50 Schüler*innen nahmen Platz, rückten die Stühle heran und legten los. Und plötzlich war da dieser besondere Klang im Raum – das leise Durcheinander vieler Sprachen, das vorsichtige Herantasten an heikle Fragen, das mutige Teilen von Erlebnissen, die sonst selten ausgesprochen werden.

Wenn ein Tisch zum Fenster in andere Leben wird

Schon nach wenigen Minuten zeigte sich: Hier passiert etwas Ehrliches.
Da erzählte eine Schülerin, dass sie sich nirgendwo richtig zu Hause fühlt – nicht hier, nicht im Herkunftsland ihrer Eltern. „Überall bin ich Ausländerin“, sagte sie. Und am Tisch wurde es still. Eine ehrliche Stille, die Platz machte fürs Zuhören.

Andere berichteten davon, dass Menschen in der Öffentlichkeit extra langsam mit ihnen sprechen – aus der gut gemeinten, aber verletzenden Annahme heraus, sie könnten kein Deutsch. Wieder andere erzählten, wie viel es ihnen bedeutet, ein Kopftuch aus eigener Entscheidung zu tragen – nicht aus Druck, sondern aus Identität.

Zwischendurch wurde gelacht, geschmunzelt, gestaunt:
von der überraschenden Liebe zur Südtiroler Küche, die manchen inzwischen besser schmeckt als das Essen der eigenen Eltern,
bis hin zu Fragen wie:
„Ist das diskriminierend, wenn ich das frage?“ oder
„Darf man als Muslim eigentlich in einer Kirche zu Allah beten?“

Es waren Momente, die man nicht planen kann. Momente, die entstehen, wenn Menschen sich wirklich begegnen.

Die SV 3A als Gastgeber*innen – und als Lernende

Besonders beeindruckend war, wie die Schüler*innen der SV 3A ihre Rolle meisterten. Sie führten durch die Gespräche, gaben Impulse, hielten den Raum – ruhig, respektvoll, souverän. Viele Teilnehmerinnen sprachen danach davon, wie angenehm es war, sich sicher und ernst genommen zu fühlen.

Und auch die Gastgeber*innen selbst gingen bereichert aus dem Projekt:
Sie erlebten, dass echte Gespräche nicht anstrengend sein müssen, sondern inspirierend. Dass man mit der richtigen Mischung aus Respekt und Neugier ganze Welten öffnen kann. Und dass es Mut kostet, seine Geschichte zu erzählen – aber auch Mut, wirklich zuzuhören.

Ein Projekt, das nachhallt

Am Ende stand eine klare Erkenntnis im Raum:
Das war erst der Anfang.

Nahezu alle Beteiligten wünschen sich eine Fortsetzung des Kulturentisches. Zu viel wurde gesagt, zu viel berührt, zu viele Fragen bleiben offen – und zu viel Potenzial steckt in diesen Begegnungen, um sie einfach verpuffen zu lassen.

Der Kulturentisch „Spirit and Stories“ hat gezeigt, was passieren kann, wenn junge Menschen miteinander reden:
Es entstehen Verständnis, Respekt – und das Gefühl, plötzlich ein Stück näher zusammenzurücken.